1. Quantencomputer als aktuelle Bedrohung (SNDL) [0]

  1. Abfangen und Speichern von Daten [0]

    1. Staatliche Akteure speichern verschlüsselte Daten wie Passwörter und Bankdaten [0]
    2. Sie können diese Dateien aktuell nicht entschlüsseln [0]
  2. Grund für das Speichern: SNDL-Verfahren [1]

    1. Akteure erwarten Zugriff auf Quantencomputer in 10 bis 20 Jahren [1]
    2. Diese Computer könnten die heutige Verschlüsselung in Minuten brechen [1]
    3. Dieses Vorgehen nennt man "Store Now, Decrypt Later" (SNDL) [1]
    4. Daten wie Forschungsergebnisse oder Geheimdienstinformationen bleiben wertvoll [2]
  3. Offizielle Einschätzung der Bedrohung [3]

    1. NSA sagt, Quantencomputer könnten alle Public-Key-Algorithmen untergraben [3]
    2. Quantencomputing wird die heutige Verschlüsselung brechen [5]
    3. Trotz zukünftiger Computer ist SNDL bereits eine aktuelle Bedrohung [6]
    4. Der US-Kongress forderte den sofortigen Übergang zu neuer Kryptographie [6]

2. Entwicklung der Verschlüsselung: Von Symmetrisch zu RSA [7]

2.1. Symmetrische Schlüsselalgorithmen (Vor 1970er) [7]

  1. Historischer Kontext [7]
    1. Aktuelle Verschlüsselungsschemata waren über 40 Jahre erfolgreich [7]
    2. Früher musste man sich persönlich treffen, um einen geheimen Schlüssel auszutauschen [8]
    3. Dieser Schlüssel diente zum Ver- und Entschlüsseln von Nachrichten [9]
    4. Dies wird als symmetrischer Schlüsselalgorithmus bezeichnet [9]
    5. Die Sicherheit hängt davon ab, dass niemand den Schlüssel abfängt [10]

2.2. Asymmetrische Verschlüsselung (RSA) [11]

  1. Problem des Schlüsseltransfers [11]

    1. Ein Schlüssel kann nicht über unsichere Kanäle geteilt werden [11]
    2. Dies führte 1977 zur Entwicklung von RSA durch Rivest, Shamir und Adelman [11]
  2. Funktionsweise von RSA [12]

    1. Jeder Mensch besitzt zwei sehr große Primzahlen als Geheimnis [12]
    2. Diese werden multipliziert, um eine größere, öffentliche Zahl zu erhalten [13]
    3. Zum Senden einer Nachricht wird diese öffentliche Zahl genutzt [14]
    4. Die Nachricht wird so verzerrt, dass sie ohne die zwei Primfaktoren nicht entschlüsselt werden kann [14]
    5. Dies ist ein asymmetrisches Schlüsselsystem [14]
    6. Es ist für den Empfänger einfach, aber für andere unmöglich (ohne Faktorisierung) [14]

3. Die Macht der Quantencomputer: Qubits und Superposition [15]

3.1. Faktorisierung und klassische Grenzen [15]

  1. Faktorisierung mit Supercomputern [15]
    1. Der beste bekannte Algorithmus ist das General Number Field Sieve [15]
    2. Die Faktorisierung heutiger Schlüssel (313-stellig) würde 16 Millionen Jahre dauern [15]
    3. Dies gilt nicht für Quantencomputer [16]

3.2. Klassische Bits vs. Qubits [17]

  1. Klassische Bits [17]

    1. Ein Bit kann nur einen Zustand haben: Null oder Eins [17]
    2. Zwei Bits haben vier mögliche Zustände (00, 01, 10, 11) [18]
    3. Berechnung (z.B. ) kann nur für einen Zustand gleichzeitig durchgeführt werden [20]
  2. Qubits und Superposition [22]

    1. Quantencomputer nutzen Qubits (Null oder Eins) [22]
    2. Ein Qubit kann in einer beliebigen Kombination beider Zustände sein: Superposition [23]
    3. Zwei Qubits können gleichzeitig in einer Superposition von vier Zuständen existieren [24]
  3. Parallele Berechnung [25]

    1. Die Berechnung wird für alle zugrundeliegenden Zahlen gleichzeitig ausgeführt [25]
    2. Mit drei Qubits können acht Zustände und acht Berechnungen gleichzeitig erfolgen [26]
    3. Mit 20 Qubits können über eine Million Zustände gleichzeitig berechnet werden [27]
    4. 300 Qubits repräsentieren mehr Zustände als Teilchen im beobachtbaren Universum [28]

3.3. Die Herausforderung der Messung [29]

  1. Der Haken bei der Messung [29]

    1. Alle Antworten sind in der Superposition eingebettet [29]
    2. Eine Messung liefert nur einen einzigen, zufälligen Wert; der Rest geht verloren [29]
    3. Man benötigt eine smarte Methode, um die Superposition zu nutzen [30]
  2. Anwendung auf Kryptographie [31]

    1. Diese Umwandlung ist extrem schwierig, weshalb Quantencomputer meist nutzlos sind [31]
    2. Glücklicherweise sind die wenigen bekannten anwendbaren Probleme die Grundlage der Public-Key-Kryptographie [32]

4. Shor-Algorithmus: Faktorisierung durch Quanten-Fourier-Transformation [33]

4.1. Quanten-Fourier-Transformation (QFT) [33]

  1. Einführung der QFT [33]

    1. Peter Shor und Don Coppersmith fanden 1994 einen Weg zur QFT [33]
    2. Die QFT funktioniert wie eine normale Fourier-Transformation [34]
    3. Sie gibt die Frequenzen eines periodischen Signals zurück [35]
  2. Anwendung auf Superposition [36]

    1. Wenn die Zustands-Superposition periodisch ist, liefert die QFT die Frequenz [36]
    2. Diese Frequenz kann gemessen werden [37]
    3. Die QFT extrahiert also Frequenzinformationen aus einer periodischen Superposition [38]

4.2. Klassische Faktorisierung als Beispiel (N=77) [39]

  1. Zielsetzung [39]

    1. Ziel ist die Faktorisierung von (hier ) [40]
  2. Periodizität finden (Schritt 2) [42]

    1. Wähle eine Zahl , die keinen Faktor mit teilt (z.B. ) [43]
    2. Es existiert ein Exponent , sodass [44]
    3. Man berechnet für steigende Exponenten [50]
    4. Man sucht den Rest (Remainder), bis dieser 1 ist [51]
    5. Beispiel : Der Rest 1 wird bei erreicht () [52]
  3. Faktoren ableiten (Schritt 3 & 4) [56]

    1. Die Gleichung wird umgeformt: [57]
    2. Wenn gerade ist, kann man dies faktorisieren: [58]
    3. Dies liefert zwei bessere Schätzungen für die Faktoren von [61]
    4. Mit sind die Terme und [62]
    5. Man nutzt den Euklidischen Algorithmus zur Bestimmung des größten gemeinsamen Teilers (ggT) [64]
    6. Beispiel: (ein Faktor) [66]
    7. Der andere Faktor ist [70]
    8. Zusammenfassung der Schritte: 1. Wähle . 2. Finde . 3. Berechne zwei neue Zahlen. 4. Nutze Euklid, um und zu finden [71]
  4. Rolle des Quantencomputers [73]

    1. Klassische Computer sind bei diesen Schritten nicht schneller [73]
    2. Der Quantencomputer beschleunigt ausschließlich Schritt 2: das Finden des Exponenten [74]

4.3. Periodizität der Reste und Qubit-Anwendung [75]

  1. Zyklisches Verhalten der Reste [75]

    1. Wenn man über hinausgeht, wiederholen sich die Reste zyklisch [76]
    2. Der Exponent, der den Rest 1 ergibt, ist periodisch mit der Periode [78]
    3. Jeder Rest wiederholt sich alle 10 Exponentenschritte [80]
    4. Man kann durch Beobachtung der Abstände beliebiger Reste finden [81]
    5. Die Reste sind periodisch mit der Periode 10 [82]
  2. Quantencomputer-Implementierung [86]

    1. Qubits werden in zwei Sätze aufgeteilt [87]
    2. Der erste Satz wird in eine riesige Superposition gebracht (z.B. bis ) [88]
    3. Der zweite Satz bleibt im Zustand Null [90]
    4. Man wählt (welches nicht teilt) [91]
    5. wird zur Potenz des ersten Qubit-Satzes erhoben [92]
    6. Der Rest wird im zweiten Qubit-Satz gespeichert; die Sätze sind nun verschränkt [93]
    7. Man darf die gesamte Superposition nicht messen, da dies zufällig wäre [94]
    8. Misst man nur den Rest-Teil, tritt dieser mehrmals auf [96]
    9. Jeder gemessene Rest korrespondiert mit mehreren Exponenten, die durch getrennt sind [97]
    10. Nach der Messung des Rests bleibt eine Superposition, deren Exponenten um getrennt sind [100]
    11. Da der Rest gleich ist, ist die resultierende Superposition periodisch mit der Periode [102]
    12. Die Anwendung der QFT auf diese periodische Superposition liefert Zustände, die enthalten [104]
    13. Messung liefert (durch Invertierung von ) [105]
    14. Ist gerade, nutzt man , um Faktoren von mittels Euklid zu finden und die Verschlüsselung zu brechen [106]

5. Der Wettlauf gegen die Zeit: Qubit-Anforderungen und Post-Quantum-Kryptographie [107]

5.1. Entwicklung der Qubit-Schätzungen [107]

  1. Anforderung an perfekte Qubits [107]

    1. Für perfekte Qubits sind nur einige Tausend nötig [107]
    2. Heutige Qubits sind fehlerhaft; zusätzliche Qubits dienen als Redundanz [107]
  2. Schätzungen für physische Qubits [108]

    1. 2012: Geschätzt wurden eine Milliarde physische Qubits [108]
    2. Fünf Jahre später (2017): Die Zahl sank auf 230 Millionen [108]
    3. 2019: Nach Durchbrüchen sank die Schätzung auf nur 20 Millionen [108]
    4. Derzeit sind IBM-Quantencomputer weit von dieser Zahl entfernt [108]
    5. Der Fortschritt scheint exponentiell zu sein; es ist eine Frage des Wann [108]

5.2. NIST-Wettbewerb für neue Standards [109]

  1. Motivation für neue Methoden [109]
    1. Forscher suchen seit Langem nach Verschlüsselung gegen Quantencomputer [109]
    2. NIST startete 2016 einen Wettbewerb für neue Algorithmen [110]
    3. 82 Vorschläge wurden rigoros getestet und einige gebrochen [111]
    4. Am 5. Juli 2022 wählte NIST vier Algorithmen für den Standard [112]

6. Post-Quantum-Kryptographie: Gitter-Mathematik (Lattices) [113]

6.1. Das Konzept des Gitters (Lattice) [113]

  1. Gitter-Grundlagen (2D-Beispiel) [113]

    1. Drei der neuen Algorithmen basieren auf der Mathematik von Gittern (Lattices) [113]
    2. Man nimmt zwei Vektoren, und , im 2D-Raum [114]
    3. Durch ganzzahlige Kombinationen dieser Vektoren entstehen Gitterpunkte [115]
    4. Ein Gitter ist die Menge aller Punkte, die durch diese Kombinationen erreichbar sind [115]
    5. Die Aufgabe: Finde die Kombination von und , die zum Punkt am nächsten liegt [116]
    6. Im einfachen Fall ist dies leicht (z.B. ) [117]
  2. Erhöhte Schwierigkeit durch andere Basisvektoren [118]

    1. Andere Vektoren () können dasselbe Gitter erzeugen [117]
    2. Mit wird die Suche nach dem nächsten Punkt viel schwieriger [118]
    3. Dies liegt daran, dass Schritte in einer Richtung die andere Richtung negativ beeinflussen [118]
    4. Im Beispiel benötigt man für den nächsten Punkt [119]
    5. In drei Dimensionen wird das Problem bereits viel schwieriger [120]
  3. Wachstum der Komplexität mit Dimensionen [121]

    1. Man erhält nur die Basisvektoren, nicht alle Gitterpunkte [120]
    2. Man muss nahegelegene Punkte prüfen, um den nächsten zu bestätigen [121]
    3. Die Anzahl der Gitterpunkte in einem Kreis/Kugel wächst mit der Dimension ( in 2D, in 3D) [122]
    4. Zukünftige Schemata nutzen etwa tausend Dimensionen [123]
    5. Ein Schritt in einer Dimension kann ein falscher Schritt in 999 anderen sein [124]

6.2. Anwendung der Gitter zur Verschlüsselung [126]

  1. Verschlüsselung mit geheimen Vektoren [126]

    1. Jeder Person besitzt einen guten Satz Vektoren (geheim) [127]
    2. Öffentlich wird nur ein schwer zu bearbeitender Satz Vektoren geteilt [127]
    3. Um eine Nachricht (z.B. die Zahl Sieben) zu senden [128]
    4. Wähle einen Gitterpunkt, der die Nachricht repräsentiert [128]
    5. Füge diesem Punkt zufälliges Rauschen hinzu, um ihn leicht zu verschieben [129]
  2. Entschlüsselung und Sicherheit [130]

    1. Der Empfänger muss den Gitterpunkt finden, der dem Nachrichtspunkt am nächsten liegt [130]
    2. Dies ist extrem schwer ohne den guten Satz Vektoren [131]
    3. Für den Empfänger ist es einfach, da er die guten Vektoren besitzt [131]
    4. Dieses Problem ist sowohl für normale als auch für Quantencomputer extrem schwer [131]
    5. Forscher, Mathematiker und Kryptographen arbeiten daran, Daten geheim zu halten [132]
    6. Sie schützen kritische Infrastruktur und ermöglichen ein Leben ohne Quantencomputer-Bedrohung [134]

7. Ausblick und Sponsor-Informationen [136]

  1. Zukünftige Rolle von Technologie [136]

    1. Quantencomputer und KI-Chatbots werden zukünftig größere Rollen spielen [136]
    2. Es ist wichtig, ihre Funktionsweise jetzt zu lernen [136]
  2. Empfehlung für Brilliant [137]

    1. Brilliant bietet einen Kurs zu Quantenalgorithmen an [138]
    2. Dieser Kurs wurde mit Microsoft und Alphabet X entwickelt [138]
    3. Man kann Quantengatter simulieren und Algorithmen direkt ausführen [138]
    4. Statistik ist wichtig für Kryptographie und Mustererkennung [139]
    5. Der Kurs zu Datenanalyse nutzt Alltagssituationen zur Illustration [141]
    6. Brilliant zerlegt Grundlagen in ihre Kernbausteine [144]
    7. Interaktive Lektionen helfen beim Meistern von Schlüsselkonzepten [145]
    8. Ein 30-tägiger kostenloser Test ist verfügbar unter brilliant.org/veritasium [146]
    9. Es gibt 20% Rabatt auf das Jahresabonnement für die ersten 200 Anmeldungen [148]